Lange hat uns der Safe Rätsel aufgegeben. Als wir den Schlüssel zum Bahnhof endlich hatten und das erste Mal mit Zeit durch den Bahnhof gelaufen sind, da war der riesige Safe natürlich eine Projektionsfläche für alles Geheimnis- und Wertvolle, was in diesem Bahnhof so schlummert. Wir haben eine Million Schlüssel in diesem Bahnhof gefunden – keiner passte auf den Safe. Dann haben wir Panzerknacker gesucht und als wir schon gar nicht mehr daran geglaubt haben, rief ein Freund und Zeltbauer aus Hamburg an und sagte, dass er demnächst in der Nähe sei und sein schweres Gerät einpacken würde, um den Geheimniskrämer aus Stahl zu öffnen. Gerne! Und als sich eine Woche später der Flex- und Feinstaubnebel gelegt hatte, zogen wir aus dem Inneren des Safes den lange verborgenen Schatz hervor: einen Freifahrtstempel – die BahnCard 100 der 70er-Jahre.
Ein Stempel macht aus Papier eine Behauptung. Früher sagte er: geprüft, bezahlt, gültig. Hier sagt er etwas anderes, hier wird er zum kleinen Zauberstab, denn du hast einen Reisewunsch frei.
Aus Au kam man nach Köln, Siegen, in den Westerwald, mit Umsteigen weiter. Sebo und Thomas nennen das ein Privileg: zu Fuß zum Bahnhof, mit dem Zug in die Welt. Der goldene Stempel macht daraus eine kleine private Verpflichtung. Nicht nur träumen. Eintragen. Abstempeln. Und dann auch wirklich losfahren.
