Dorothea Hausmann kommt nicht mit einer Anekdote, sondern mit einem Ordner. Darin: Postgeschichte, Bilder, Sonderstempel, Zeitungsausschnitte, Dorfchronik. Sie liest vor, dass am 1. August 1860 die Strecke Au–Wissen in Betrieb ging, der Bahnhof eröffnet wurde und im Bahnhofsgebäude auch eine Postexpedition eingerichtet war. Bahnhof und Post fingen hier am selben Tag an.
Dann springt die Erinnerung ins Jahr 1990: 130 Jahre Bahnhof und Post, ein Fest mit Ausstellung, Feldbahnfahrten, Postkutsche, Kindern, Kolleg:innen, Chor. „Alles voll“, sagt Dorothea. Und Helmut Kießling zählt weiter, was Au einmal hatte: Textilgeschäft, Bäcker, Metzger, Tankstelle, Friseur, Radioladen, Volksbank, Post, Gaststätten. „Wenn man nicht wollte, musste man nicht aus Au raus.“
Die historische Karte mit den Geschäften dient als Erinnerung an die Lebendigkeit, die in Au rund um den Bahnhof entstand und verschwand, als der Bahnhof nach und nach seinen Betrieb einstellte. Bahnhöfe, Postfilialen und Geschäfte sind immer auch Orte der Begegnung. Ohne solche Orte wird es schwierig für den Zusammenhalt von Gemeinschaften.

