„Immer unter Vorbehalt“, sagt André Tischer, bevor er die Kriegsgeschichte erzählt, die seine Oma über den Bahnhof Au weitergegeben hat. Ein Munitionszug, Bombenkrater, Waggons, die man aus Angst und Zeitnot verschwinden ließ. Der Krieg ist in den Gesprächen immer wieder Thema. Die Westfront wurde im Ersten Weltkrieg über den Bahnhof mitversorgt. Im Zweiten war Au als Versorgungsbahnhof das Ziel vieler Luftangriffe. Und Napoleon III. reiste 1871 über Au weiter nach England ins Exil.
Wenn er könnte, dann hätte der Balken hinter der Bar viel dazu zu sagen. Er war von Anfang an dabei. Von allen Zeitzeugen in dieser Ausstellung ist er der älteste – und der einzige, der wirklich jeden Zug gesehen hat, jeden Abschied, jede Trennung. Einfach alles.
Als vor zwölf Monaten ein paar Bahnarbeiter den Balken aus dem Vordach schnitten und ihn gerade zu Brennholz zersägen wollten, sind wir geistesgegenwärtig zwischen Balken und Kettensäge gesprungen, um diesen stillen Zeitzeugen vor seinem Ende zu bewahren. Nun hängt er hier, der alte Stamm. Von Granatsplittern gezeichnet und mit vielen Narben übersät. Schaut ihn euch an und hört gut hin.
