AUCHIV // Station 08 // Bar im Vereinszimmer

Die Gaststätte

Interview mit Horst Seelbach

„Edgar hat nie etwas umkommen lassen“, erzählt Horst Seelbach. In der Bahnhofsgaststätte stand unter dem Zapfhahn ein kleines Glas. Was andere Wirte morgens aus der Leitung laufen ließen und wegschütteten, wurde bei Edgar Lingenbrink nicht verschwendet. Die Skatspieler, die sonntags als erste kamen, schauten deshalb erst einmal: War schon jemand drin? Oder erwischt man jetzt das erste Bier – frisch abgestanden aus der Leitung?

Die Geschichte ist komisch, aber weit mehr als eine lustige Anekdote. Sie erzählt von einem Wirt, der seine Leute kannte, von sonntäglichem Skat, von Gesang, von Bahnleuten, die mittags Essensmarken holten, und von einem Haus, in dem spät noch Koteletts geklopft wurden: „Uhrzeit spielte da keine Rolle“, sagt Horst Seelbach. Wenn einer Hunger hatte, haute der Edgar eben noch Fleisch in die Pfanne.

So werden das erste Glas Bier und nächtliche Koteletts zu einer Metapher für das Leben im Bahnhof Au (Sieg): kernig, auf keinen Fall anonym, sondern zuverlässig, eigenwillig, fettig aus der Pfanne, voller Leben und nah an Glas, Gleis und Menschen. Die Gaststätte im Bahnhof war zudem über Jahrzehnte hinaus auch die Heimat der Chorgemeinschaft „Einigkeit“, die 1953 gegründet wurde und 2023 aufgelöst werden musste. Aber dazu mehr an anderer Stelle ...

Installation mit Auerhahn, Bier und Bahnhofsgastronomie